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Vorstellung: Unihertz Titan

Im Zeitraum Juli / August 2019 haben wir euch auf die Kickstarter-Kampagne zum Unihertz Titan aufmerksam gemacht und regelmäßig über das Gerät und die Kampagne berichtet. Inzwischen ist dieses Rugged-Smartphone verfügbar und da sich die Zustellung eines Testgerätes durch den Wechsel meiner Ansprechpartnerin bei Unihertz verzögert, habe ich mir kurzerhand privat ein Unihertz Titan organisiert. Natürlich, weil ich neugierig auf dieses Smartphone war aber auch, um euch dieses Gerät vorstellen zu können.

Nachfolgend möchte ich euch den Titanen nun näher bringen, aber vorab die Ausgangslage für diese Vorstellung mitteilen. Denn auch wenn das Unihertz Titan vom Design her dem BlackBerry Passport entspricht, möchte ich es nicht als Passport-Nachfolger bezeichen und auch nicht mit dem Gerät vergleichen. Denn das Unihertz Titan ist für mich ein Device aus einer anderen Produktkategorie und auch ein Stück weit als eigenständig anzusehen. Aber dazu im Fazit am Ende der Vorstellung mehr.

Erster Eindruck

Das Unihertz Titan kommt mit einer sehr ansprechend gestalteten Umverpackung zu den Käufern. Neben dem Gerät ist ein Ladekabel inkl. Adapter, Kopfhörer, SIM-Eject-Tool, Schutzfolie für das Display und die Bedienungsanleitung im Karton enthalten. Da mir die Maße und das Gewicht des Titan bekannt waren, war ich sehr auf die Dimensionen des Gerätes in Natura gespannt.

Ja, das Titan ist groß und schwer, was aber nicht überraschen sollte, wenn man sich vorab mit den Daten zu dem Gerät beschäftigt hat. Ich muss zugeben, dass ich mit der ersten Berührung des Smartphones für den Rest des Tages und auch in den Tagen danach das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekommen habe. Ich mag große und schwere Smartphones sehr und mit dem Titan wurde mein Geschmack voll getroffen. Klar, als ehemaliger Passport-Nutzer kommt einen sogleich das BlackBerry-Modell in den Sinn, aber wie eingangs beschrieben, sollte man hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, nur weil das Design identisch ist.

Das Unihertz Titan liegt sehr gut in der Hand oder besser - in den Händen. Die Rückseite ist griffig, das Device ist sehr gut verarbeitet und macht einen wertigen Eindruck. Der Bereich der rückseitigen Kamera ist mit einer Abeckung in Aluoptik versehen, ist aber aus Plastik. Dennoch ist die Rückseite dadurch nicht billig gestaltet, sondern im Gegenteil, sehr robust.

Am rechten Rand des Gerätes findet ihr die Laut-/Leise-Wippe und den Power-Button, links den Steckplatz für die SIM- und/oder SD-Karte sowie die programmierbare Sondertaste in rot, die frei zu konfigurieren ist und durch einmaliges, zweimaliges oder langes Drücken den schnellen Aufruf von Apps oder Funktionen ermöglicht. Auf der Oberseite des Gerätes ist zudem ein inzwischen selten zu findender 3,5 mm-Klinkenanschluss zu erreichen. Und ja, eine Benachrichtigungs-LED ist auch verbaut! 

An den Seiten des Titanen sind Aluleisten verbaut. Dadurch hat man das Gefühl, dass dieses Gerät nicht zu zerstören ist! Ja, das ganze Design spiegelt Kraft und Robustheit wieder. Für das Sakko ist das Titan nicht zwingend gemacht, aber für die Nutzung im Alltag mit all seinen Härten, widrigen Umständen und Möglichkeiten der ungewollten Kontaktaufnahme mit Oberflächen, Gegenständen oder Flüssigkeiten. Beim Einsatz des Titan im Alltag mache ich mir zugegebenermaßen beim Runterfallen des Gerätes mehr Gedanken über den Boden, als über das Smartphone. 

Eine Sache, die vermutlich viele Besitzer des Unihertz Titan nach der ersten Begutachtung vornehmen werden, ist der Vergleich mit einem anderen Smartphone. Das Titan legt schon einen beeindruckenden Auftritt hin und man stellt schnell fest, dass es seinen Namen zurecht trägt. Das BlackBerry KEY2 sieht neben diesem Device zierlich aus und auch ein iPhone XR, bekanntermaßen auch kein kleines Smartphone, wirkt neben dem Smartphone aus dem Fernen Osten schlank.

Um ein Gefühl für das Unihertz Titan zu bekommen,  hier einmal die technischen Daten. 

Technische Daten 

  • Name: Unihertz Titan
  • Größe: 153,6 x 92,5 x 16,65 mm
  • Gewicht: 303 Gramm
  • Batterie: 6000 mAh
  • Dual-SIM
  • Betriebssystem: Android 9 (Android 10 vorgesehen)
  • Prozessor: Mediatek Helio P60
  • CPU: Octa Core 2 GHz
  • RAM: 6 GB
  • ROM: 128 GB
  • Bildschirmgröße: 4,6 Zoll
  • Auflösung: 1430 x 1438 Pixel
  • Corning Gorilla Glas
  • IP67-zertifiziert (wasserdicht, staubdicht, stoßfest)
  • QWERTY-Tastatur
  • Fingerabdruckerkennung
  • Gesichtserkennung 
  • Benachrichtigungs-LED: Ja
  • NFC / Drahtlose Ladung
  • 8 MP Frontkamera
  • 16 MP Haupkamera
  • USB OTG
  • USB Type C
  • Kompass, Gyroskop, Kompass, FM-Radio
  • 3,5 mm-Klinkenanschluss

Inbetriebnahme

Ich habe nach dem Starten des Unithertz Titan eine aktuelle Sicherung meines BlackBerry KEY2 über den Assistenten eingespielt. Das Ganze verlief ohne Probleme und in relativ kurzer Zeit standen mir die Apps meines BlackBerry KEY2 inklusive Launcher zur Verfügung. Während der Inbetriebnahme hat das Unihertz Titan nicht einmal geruckelt oder lief langsam. 

Um alle Apps in vollem Umfang nutzen zu können, Benachrichtigungen zu erhalten oder e-Mail-Konten anzulegen, müsst ihr in den Einstellungen die Funktion "Intelligenter Assistent" aufrufen und darin die App-Beschränkungen aufheben. Andernfalls kann es passieren, dass Apps nicht funktionieren oder ihr ein e-Mail-Konto im BlackBerry Hub+  bzw. Posteingang nicht anlegen könnt. 

Display

An den quadratischen 4,6-Zoll-Bildschirm muss man sich gegebenenfalls gewöhnen. Die Darstellung von Websiten beim Surfen im Netz und meiner Apps ist sehr gut, das Display sowohl im hellen Licht und auch im Dunkeln sehr gut abzulesen. Einzig die Darstellung von Fotos der Instagram-App ist verbesserungswürdig. Da fehlen oben bzw. unten ca. 1 Zentimeter. 

Tastatur

Hervorstechendes Bauteil des Unihertz Titan ist mit Sicherheit die physische Tastatur, die ja leider nur noch bei wenigen Smartphones verbaut ist. 

Das Device kommt mit einer QWERTY-Tastatur daher und meines Wissens wird es auch kein anderes Tastaturlayout geben. Auch die Anordnung der Alt- und Shift-Taste sowie der Zahlen sind außergewöhnlich, was bei der ersten Nutzung der Tastatur zu etwas Verwirrung führt. Zumindest ging es mir so. Aber ich möchte es vorwegnehmen, dass man über die Einstellmöglichkeiten einiges optimieren kann. 

Zum einen kann man die Sprache der Tastatur auf deutsch umstellen, so dass x und y vertauscht werden und das gewohnte Schreiben im deutschen Tastatur-Layout möglich ist. Zum anderen kann man die Funktionen der Alt- und Shift-Taste tauschen. Im System kann man auch aktivieren, dass die Tastatur zum Scrollen verwendet werden kann. Der Fingerabdrucksensor ist im Touchpad in der oberen Reihe verbaut und funktioniert hervorragend.

Ebenfalls sehr praktisch: Die Tasten können doppelt belegt und mit Shortcuts versehen werden, um Apps oder Funktionen schnell aufrufen zu können. Die Beleuchtung der Tastatur ist hervorragend und die Dauer kann individuell und lösgelöst von der Nutzung des Bildschirms eingestellt werden. 

Neben der physischen Tastatur steht für die Sonderzeichen, Zahlen und Wortvorschläge oder für den Zugriff auf den Zwischenspeicher auch eine virtuelle Tastatur zur Verfügung, die beim Schreiben über den Tasten angezeigt wird. Wortvorschläge der virtuellen Tastatur können jedoch nicht über die physische Tastatur nach oben in den Text "gewischt" werden.

Ab Werk sind das "Kika-Keyboard" und "Gboard" installiert. Ich habe mich für die Nutzung von "Kika-Keyboard" entschieden und entsprechend eingerichtet und komme damit sehr gut zurecht und finde diese in Kombination mit der physischen Tastatur sehr passend. Die virtuelle BlackBerry-Tastatur habe ich diesmal nicht in Betrieb und auch nicht ausprobiert. 

Performance, Sprachqualität und Kamera

Bei dem Unihertz Titan handelt es sich um ein Dual-SIM-Gerät mit 128 GB internen Speicher und 6 GB RAM. Nutzt man keine zwei SIM-Karten, so kann eine SD-Karte zur Speichererweiterung in den SIM-Steckplatz 2 eingesetzt werden. Im Titan werkelt solide der Helio P60 von Mediatek als Prozessor. Das Gerät läuft flüssig und schnell, Apps und Websiten starten zügig und im Vergleich zu meinem BlackBerry KEY2 und iPhone XR gleich schnell. Durch den 6000 mAh großen Akku hat das Titan eine noch nie von mir bei einem Smartphone erlebte Ausdauer. 

Die Sprachqualität bei Telefonaten ist hervorragend. Die Gesprächspartner sind ganz klar und deutlich zu verstehen und ich werde auch sehr gut verstanden. In Gebieten mit schlechter Anbindung zum meinem Provider o2 wird mir mit dem Titan noch Empfang angezeigt, wo mit dem KEY2 schon kein Netz mehr verfügbar ist. Telefonieren selber ist trotz der Größe und des Gewichts des Gerätes kein Problem, man gewöhnt sich schnell daran.

Die Verbindung zu meiner FritzBox erfolgt schnell und es gibt keine Unterbrechungen. Bluetooth habe ich bislang nur mit meiner Bose-Anlage im Wohnzimmer getestet, diese Verbindung war stabil und ohne Beanstandungen. Meine Smartwatch habe ich nicht mit dem Unihertz Titan gekoppelt, da ich diese mit dem KEY2 verbunden habe und aktuell nicht neu einrichten möchte. 

Die Kamera des Gerätes ist gut, aber nichts besonderes und auch nicht das Prunkstück dieses Outdoor-Gerätes. Für gute Schnappschüsse reicht es aber allemal und wenn man sich mit der Kamera beschäftigt, kann man im Pro-Modus viele Einstellungen vornehmen und mit Sicherheit eine bessere Qualität der Bilder erzielen. Da aber die Kamera eines Smartphones für mich nicht die oberste Priorität hat, kenne ich mich in diesem Bereich nicht aus und überlasse es Profis, die Qualität der Ergebnisse zu beurteilen. 

Fazit

Mich hat das Unihertz Titan positiv überrascht und überzeugt. Wie gesagt, man darf und sollte es nicht mit einem BlackBerry oder speziell mit dem BlackBerry Passport vergleichen und auch den Preis bedenken. Unihertz hat nicht die jahrelange Erfahrung bei der Entwicklung von physischen Tastaturen, zudem stehen auch Patentbeschränkungen seitens BlackBerry der Perfektionierung entgegen. Das Titan kostete im teuersten Fall ca. 240 EUR, ein neues BlackBerry KEY2 wird 19 Monate nach Release und fünf Monate vor EOL im Shop von BlackBerry immer noch für 649 EUR angeboten, ein KEY2 LE mit EOL im September 2020 für 399 EUR. 

Von daher sollte man meiner Meinung nach das Titan nicht vergleichen sondern sich daran erfreuen, was Unihertz als Alternative für Liebhaber physischer Tastaturen entwickelt hat. Am 16.01.2020 kam auch schon das erste Update für das Titan mit umfangreichen Verbesserungen und Fehlerbehebungen auf den Geräten an. Leider hat sich mit dem Update auch ein gravierender Fehler eingeschlichen. Hat man das Scrollen mit der Tastatur aktiviert, fängt bei der Nutzung des Titan nach einiger Zeit der Bildschirminhalt an zu springen. Deaktiviert man die Scroll-Funktion, ist der Bildschirm wieder ruhig, man kann dann aber selbstverständlich nicht mehr scrollen. Ich bin mir aber sicher, dass dieser Fehler zeitnah gefixt und mit dem nächsten Update behoben wird.

Der Akku des Titan ist überragend, als Vater von zwei Kindern erfreue ich mich sehr über die Robustheit des Gerätes, welches auch mal Wasser oder Stöße aushält und ohne Bedenken mit auf den Spielplatz genommen werden kann.

Nach zwei Wochen der Nutzung habe ich mich schon sehr an die Tastatur gewöhnt und schreibe in etwa genauso schnell wie mit dem KEY2.

Die spannendste Frage zum Schluss - wie nutze ich das Unihertz Titan im Alltag und wird es mein "Daily Driver"?

Das Titan hat gute Chancen, in Zukunft mein BlackBerry KEY2 zu ersetzen. Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, gucke ich bei Smartphones verstärkt nach links und rechts. Da ich mein BlackBerry Motion wegen des EOL in eine meiner Vitrinen befördert habe, habe ich einen Versuch mit dem Xiaomi Mi 9T Pro als Fulltouch-Nachfolger gewagt. Das Gerät hat mich persönlich für meine Nutzung nicht überzeugt und deshalb wurde es wieder verkauft. Die Vorzüge eines großen Displays habe ich aber dennoch schätzen gelernt und möchte ich auch nicht mehr missen. Da mir beruflich ein iPhone XR, welches ich auch privat nutzen darf, gestellt wurde, verwende ich für das Surfen auf der Couch und ein wenig Social Media aktuell verstärkt dieses Gerät, da mir dafür der Bildschirm des KEY2 mittlerweile zu klein ist. Kuriosum am Rande: Durch die Nutzung des Xiaomi mit seinen für mich vorhandenen Hürden der Steuerung und des Schreibens trotz virtuellem BlackBerry-Keyboard, habe ich mittlerweile Gefallen an dem iPhone XR gefunden und nutze es sehr gerne. Im Gegensatz zum Mi 9T Pro macht dort die Bedienung und das Schreiben sogar Spaß!

Somit ist meine Smartphone-Kombination aktuell BlackBerry KEY2 für Schreiben, Chatten und Mailen und das iPhone XR für alles drumherum. Allerdings hat mir immer wieder ein Gerät gefehlt, welches ein großes Display hat bzw. die bessere Darstellung von Fotos, Videos, Texten und Webseiten UND die Nutzung einer physischen Tastatur ermöglicht. Ja, teilweise sind mir inzwischen auch die Tasten des KEY2 zu klein. Liegt wohl am Alter und der beginnenden Altersweitsichtigkeit sowie der schlechten Beleuchtung der Tastatur des BlackBerry. ;-)

Berücksichtigt man nun noch das EOL des BlackBerry KEY2 im Juni 2020, die leider immer noch defekte Kamera des Gerätes seit dem Sommerurlaub 2019 und mein fehlender Glauben an weitere neue Geräte mit dem BlackBerry-Logo, so muss auch dafür ein Nacholger her. Klar könnte man noch ein KEY2 LE bis zum EOL im September 2020 nutzen, aber wenn ich schon alles neu einrichte, dann nicht nur für drei Monate.

Von daher kommt hier nun das Unihertz Titan ins Spiel und ich merke, dass ich immer häufiger zum Titanen und nicht zum KEY2 greife.

Nicht als Nachfolger, denn es hat kein BlackBerry-Logo, sondern als Alternative. Der hervorragende erste Eindruck, die große gute physische und die sehr gut funktionierende virtuelle Tastatur, die durch das Bildschirmformat sehr gute Darstellung von App-Inhalten und Webseiten, der Klinkenanschluss, die Shortcuts, Android 9 und perspektivisch Android 10 und der wie ich finde geringe Anschaffungspreis sind schon sehr gute Argumente. Ob es dann mein "Daily Driver" wird - diese Entscheidung lasse ich noch offen. Schließlich hat der Smartphonemarkt noch so viel zu bieten! Aber eines muss gesagt werden: Good job, Unihertz!