
Jetzt steht also der letzte Wochenrückblick an, den ich als Urlaubsvertretung für Oliver schreibe. Und diesmal gibt es eine "Special Edition". Es wird kein klassischer Rückblick auf die Ereignisse um BlackBerry in den letzten Tagen, sondern es gibt ein paar Gedanken von mir zu den Dingen, die CEO John Chen letzte Woche in einem Interview auf der Code/Mobile-Konferenz in einem Interview gesagt hat.
Auf dem BlackBerry-Inside Blog kann man einige sogenannte "Highlights" lesen
Endgeräte-Strategie
"I love BB10 and I win in the very high-end there. But the very high-end is not big. In order to make money in the handset business, I need to expand that pie."
Chen liebt also BB10 als System, aber er sagt auch, dass er es nur in einem "High-End" Markt positionieren kann und deshalb nun mit dem Priv auch andere Segmente bedienen möchte. Was kann er mit High-End meinen? Ist BB10 nur noch für Regierungschefs und Manager von großen Firmen relevant? Mit einer so eingeschränkten Zielgruppe kann man allerdings keine großen Renditen erzielen und es wird schon schwierig, überhaupt kostendeckend zu arbeiten.
BlackBerry 10 OS-Updates
“We have two new releases of BB10 coming out to support government and high-security customers.”
Auch hier spricht Chen wieder davon, dass er mit den noch geplanten zwei Updates nur noch Regierungen und Firmen im Hochsicherheitsbereich bedienen möchte. Daraus höre ich, dass BlackBerry den Prosumermarkt für das BB10 OS eigentlich schon aufgegeben hat.
Nur noch ein Jahr "Gnadenfrist"
BlackBerry May Quit Handsets if It Can’t Make Money by Next Year, Says CEO John Chen
So der Titel eines Artikels bei Recode zum Interview. Hier sagt Chen, dass es zunächst die Strategie sei, BB10 und Android Geräte parallel weiter zu unterstützen. Wenn es aber gelingt, alle Sicherheitsfeatures von BB10 auch in Android zu integrieren, erwägt er auch ein Ende der BB10-Plattform bereits in den nächsten 2 Jahren.
In einem Interview mit The Verge sprach Chen davon, im nächsten Jahr 5 Millionen Geräte verkaufen zu wollen bzw. zu müssen, denn erst bei diesen Absatzzahlen wäre die Hardwaresparte wieder rentabel. Er lies zudem auch durchblicken, bei einem Nichterreichen dieses Ziels die Hardwaresparte komplett aufzugeben.
Das Priv soll (muss) es richten
Die obigen Berichte haben natürlich für jede Menge Aufsehen in der Szene gesorgt. Chen bemüht sich in einem persönlichen Kommentar gestern auf dem BB-Inside Blog darum, seine Aussagen ins rechte Licht zu rücken. Aber beim Lesen seines Artikels bemerke ich, dass er total auf das Priv fokussiert. Natürlich schreibt er, dass er BB10-Kunden (er spricht wieder nur von Regierungen und "Kunden, die diese hohe Sicherheit benötigen") weiter die Plattform anbieten wird, aber das klingt eher etwas halbherzig in Vergleich zu den Lobeshymnen, die er auf das Priv anhebt.
Keine Guten Aussichten für unsere heissgeliebten Beeren
Das oben dargestellt veranlasst mich doch zu einer sehr düsteren Zukunftsprognose. BlackBerry fokussiert sich in den nächsten Monaten komplett auf die Android-Umgebung. Das Priv muss sich extrem gut verkaufen, damit BlackBerry überhaupt noch eine Chance auf dem Endgerätemarkt haben soll. Im Umkehrschluss denke ich, dass wir kein neues BB10-Device mehr sehen werden.
Entweder das Priv bringt den gewünschten Erfolg, dann wird BlackBerry alles daran setzen, die Sicherheitsfeatures von BB10 auf die Android Plattform zu bringen um dann neben eigenen Androidgeräten auch Software im Enterprisebereich oder auch bei ambitionierten Prosumern (die wir BlackBerry-User nunmal sind
) auf diesem Betriebssystem anbieten zu können. Eine Weiterentwicklung bzw. Neuentwicklung von BB10 Geräten wäre somit unnötig. Im anderen Fall, das Priv bleibt wie Blei in den Verkaufsregalen liegen, wird Chen nicht zögern, die Gerätesparte komplett zu schliessen. Auch in diesem Fall gibt es für uns keine neuen BlackBerrys.
Die App-Frage ist symptomatisch
Wie konnte es soweit kommen? Es wurde bereits vielfach gesagt: Die Apps. BlackBerry hat es nicht geschaft, BB10 als dritte oder vierte Kraft bei den App-Entwicklern ins Spiel zu bringen. Wir haben zwar viele Apps, aber eben nicht alle. Gerade gestern gab es wieder eine typische Diskussion in einer BBM-Gruppe, in der ein User schrieb, dass er auf das Priv und Android wechseln würde, weil ihn zum einen die Facebook-App mit den vielen Fehlern nervt und er keine vernünftige Anbindung an sein Multimediasystem im Auto hat. Es ging hier zum Beispiel um die Möglichkeit, E-Mails oder andere Nachrichten im Display anzuzeigen oder vorlesen zu lassen. Natürlich gab es wie immer auch die Gegenstimme dazu, dass man sowas doch eigentlich nicht braucht, bestehende Funktionen reichen mir, usw.
Das Entscheidende ist der geflügelte Satz "There's an App for that.". Wenn ich es nutzen möchte, habe ich bei Android und iOS die Möglichkeit, weil es eine Lösung dafür gibt. Das ist bei BB10 leider nicht immer der Fall und auch wenn wir uns manchmal nicht vorstellen können, dass jemand ein bestimmtes Feature gebrauchen kann - doch, es gibt diesen jemand. Und der ist dann von der BB10 Plattform enttäuscht oder zieht sie bei einer Neuanschaffung gar nicht erst in Erwägung.
So, jetzt habe ich aber genug herumphylosophiert. Ihr habt euch doch bestimmt auch schon so eure Gedanken zur Zukunft der BlackBerry 10 Geräte gemacht. Vielleicht habt ihr an diesem schönen Sonntag Zeit und Lust, eure Gedanken hier in den Kommentaren mit uns zu teilen und mit uns zu diskutieren. Das würde uns freuen und wir wünschen euch trotz allem eine schöne Woche.
Eure BlackBerry-User-Group Kassel
(Quellen: bbugks.de, blackberry.com, recode.net, theverge.com)